Friday, 6 July 2012

Lesen - Sagen

Hallöchen...
Ich möchte dir heute eine Sage vorstellen, die ich in einem Buch mit 988 Seiten gefunden habe:
"Die Kunst mit Mahren umzugehen"
Diese Sage hat keine Lehre und ich erzähle sie dir nur, um der Geschichte Willen, mit eigenen Worten:


In Ostpreußen gibt es viele Mahre. Mahre, das sind junge Mädchen, die von Hexen verzaubert wurden. So schrumpfen sie jede Nacht zu kleinen Wesen zusammen, die dann durch ein Schlüsselloch, oder ähnliches schlüpfen und sich auf die Brust von schlafenden Männern zu setzen. Mahre kann nicht nicht mehr zurück verwandeln, es sei denn die Schlafenden erwachen und halten die verfluchten Mädchen fest. Der Mahr wird dann auf einen anderen Namen umgetauft, denn der Fluch wurde nur auf den Namen ausgesprochen, den das Mädchen bei der Taufe bekam. Wird man nun umgetauft, so ist man erlöst.
Das gelang einem Knecht, der mit einem zweiten im Kämmerchen schlief. Dieser wurde oft von einem Mahr geplagt, und als er einmal erwachte rief er seinem Kameraden zu:
"Nimm das Ding von mir weg... schnell, schnell".
Der Knecht sprang auf um ihm zu helfen, und als er die Mahr fasste verwandelte diese sich in einen Strohhalm.
Der Geplagte sprach daraufhin zu ihm:
"Tu den Strohhalm in eine Schublade, am Morgen wird er sich in eine Frau verwandeln."
Das geschah als der Erwachte am Morgen eine schöne Frau aus der Schublade zog.
Der Knecht und die Mahr verliebten sich, und der Knecht wollte sie schon umtaufen lassen, doch die Frau wehrte sich. Sie wollte kein Mensch werden.
Der Knecht wusste Rat und verstopfte das Schlüsselloch, durch das ihn die Mahrin besucht hatte. Er verstopfte es so gut, dass es nicht mehr zu sehen war.
Das war gut, denn ein Mahr muss mindestens zweimal durch den gleichen Spalt schlüpfen, sonst kann sie ihre nächtliche Gestalt nicht mehr annehmen.


Die Frau und der Knecht bekamen Kinder, und lebten lange glücklich mit einander. Doch eines Tages entdeckten die Kinder das Stroh, mit dem der Knecht das Schlüsselloch verstopft hatte, und puhlten es haraus.
Als die Mahrin das Loch sah, das sie so lange gesucht hatte, wurde ihr klamm ums Herz, denn sie wollte ihren Mann nicht plagen. 
In der folgenden Nacht verschwand sie und ward nie wieder gesehen.



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